Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


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Inhalt: Nordschleuse Wanne-Eickel

Bau der neuen Nordschleuse Wanne-Eickel am Rhein-Herne-Kanal

Nordschleuse Wanne-Eickel

Stand: Juni 2012

Vorgeschichte

Die Schleusenanlage Wanne-Eickel bildet eine der heutigen fünf Schleusenanlagen am Rhein-Herne-Kanal (RHK).

Der RHK wurde etwa ab 1908 mit ursprünglich sieben Kanalstufen erbaut und im Jahre 1914 in Betrieb genommen. Er ist ein Teilstück des westdeutschen Kanalsystems und stellt die Verbindung vom Rhein zum Dortmund-Ems-Kanal (DEK) und damit zum östlichen Teil des rheinisch-westfälischen Industriereviers sowie zur Ems und zum Mittellandkanal dar.

Luftbild der ursprünglichen Schleusenanlage Wanne-Eickel mit alter Nord- und Südschleuse

Luftbild der ursprünglichen Schleusenanlage Wanne-Eickel mit alter Nord- und Südschleuse

Das beim Bau des Kanals prognostizierte Güteraufkommen war bereits vorzeitig überschritten, so dass häufige Verzögerungen die Folge waren. Zusätzlich verhinderten die nur 10 m breiten Schleusen den Einsatz modernerer Schiffseinheiten. Um die Leistungsfähigkeit des Kanals zu erhöhen, wurden daher ab Ende der 70er Jahre bis in die 90er Jahre hinein die Schleusen von fünf Kanalstufen mit einer Länge von 190 m und einer Breite um 12 m ersetzt. Die Stufen Essen-Dellwig und Herne West wurden zeitgleich zurückgebaut. Dabei wurden zur Anpassung die Wasserspiegel der Haltungen abgesenkt bzw. angehoben. Die neue Südschleuse Wanne-Eickel wurde 1994 in Betrieb genommen.


Luftbild der Schleusenanlage mit neu errichteter Südschleuse

Einzige Ausnahme bildete die Nordschleuse Wanne-Eickel, deren Neubau aus Kostengründen zurückgestellt wurde. Aufgrund von Sanierungsmaßnahmen anlässlich von bergbaubedingten Aufhöhungen 1965 und 1983 wies die Nordschleuse von den RHK-Schleusen den besten baulichen Zustand auf, so dass sie vorerst bei Sperrung der neuen Südschleuse als Ersatzschleuse in Betrieb bleiben konnte.

Aufgrund gravierender Schäden musste die Nordkammer allerdings im Jahr 2003 wegen eingeschränkter Gebrauchstauglichkeit und Verkehrsgefährdung für den Verkehr gesperrt werden.

Somit besteht durch die seit 2003 gesperrte Nordkammer ein Engpass im Bereich des RHK, da nur noch eine funktionsfähige Schleusenkammer vorhanden ist. Bei außerbetrieblicher Sperrung der Südschleuse Wanne-Eickel ist somit die Durchgängigkeit des RHK nicht mehr gegeben.

Veranlassung

In den kommenden Jahren ist eine deutliche Steigerung der Steinkohletransporte im Bereich des westdeutschen Kanalnetzes aufgrund zahlreicher Kraftwerksneubauten im Bereich des Datteln-Hamm-Kanals und des Dortmund-Ems-Kanals zu erwarten.

Ein Teil des zusätzlichen Verkehrsaufkommens wird auf den Rhein-Herne-Kanal entfallen. Für den Engpass Wanne-Eickel mit nur einer betriebsbereiten Schleuse wird dann eine theoretische Auslastung von 80 bis 110 % prognostiziert, d. h. die Einzelschleuse kann den Verkehr nicht mehr bewältigen. Bei Ausfall der Südschleuse Wanne-Eickel ist der Kanal nicht mehr durchgängig passierbar.

Um die Sicherheit und Leistungsfähigkeit des Verkehrs zu gewährleisten, ist daher der Ersatz der Nordschleuse Wanne-Eickel notwendig.

Planung der neuen Nordschleuse Wanne-Eickel

Grundlagen

Für die Errichtung der neuen Schleuse muss die vorhandene Nordschleuse in weiten Bereichen abgebrochen werden. Die neue Nordschleuse wird parallel mit einem Achsabstand von 32 m zur bestehenden Südschleuse in Stahlbetonbauweise erstellt. Mit diesem Maß werden konstruktive Erfordernisse zur Ausbildung der Schleusenhäupter berücksichtigt.

Die Abmessungen werden entsprechend der Südschleuse gewählt.

Kenndaten der neuen Nordschleuse
Hubhöhe 8,40 m
nutzbare Kammerlänge 190 m
nutzbare Kammerbreite 12,00 m
Mindestwassertiefe 4,00 m
Gesamtlänge des Bauwerks inkl. Häupter 224,50 m
Länge des Einlaufbauwerks 23,55 m
Länge des Auslaufbauwerkes 16,00 m

Im Wesentlichen soll im Sinne der Standardisierung und Wirtschaftlichkeit die Nordschleuse baugleich zur Südschleuse ausgeführt werden. Auch die benachbarten Schleusen Herne-Ost und Henrichenburg entsprechen dieser Bauweise. So werden auch bei der Nordschleuse im Oberhaupt ein Drehsegmenttor und im Unterhaupt ein Stemmtor zum Einsatz kommen.

Hydraulisches System

Wie die Nachbarschleuse Herne-Ost ist auch die Schleuse Wanne-Eickel seit Beginn der Planungen als Zwillingsschleuse konzipiert, bei der zur Wasserersparnis ein Verbindungsbauwerk einen Austausch von ca. 50 % des Schleusungswassers zwischen den beiden Schleusenkammern ermöglicht. So wurden bereits beim Bau der Südschleuse, die 1994 fertig gestellt wurde, die baulichen Voraussetzungen für den Zwillingsbetrieb geschaffen. Allerdings wird das hydraulische System der neuen Nordschleuse, das der Befüllung und Entleerung der Schleusenkammer dient, einfacher und damit wirtschaftlicher gestaltet. Der sich unter der Kammer befindliche Grundlauf, der die Kammer über Düsen speist, wird direkt über Umläufe in den Häuptern mit dem Ober- bzw. Unterwasser verbunden, so dass die Längskanäle entfallen können.

Schnitt durch Zwillingsschleuse und Verbindungsbauwerk

Schnitt durch Zwillingsschleuse und Verbindungsbauwerk

Liegeplätze

Zur Umsetzung der in der "Richtlinie für die Gestaltung der Schleusenvorhäfen der Binnenschifffahrtsstraßen" geforderten Randbedingungen werden sowohl im Oberwasser als auch im Unterwasser Liegeplätze für wartende Schiffe geschaffen bzw. bereits vorhandene erweitert werden.

Aktueller Stand der Projektentwicklung und Ausblick

Derzeit werden die Unterlagen für die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens erarbeitet. In diesem Zusammenhang sind auch die Vergabe und Erstellung mehrerer Gutachten durch externe Ingenieurbüros erforderlich. So sind die Erstellung einer Umweltverträglichkeitsstudie, eines landschaftspflegerischen Begleitplans sowie eines hydrogeologischen und eines Abfallgutachtens bereits vergeben worden.

Besonders zu berücksichtigen bei der Planung und Bauausführung ist die Kampfmittelproblematik, da das Baufeld als "Kampfmittelverdachtsfläche ohne konkrete Gefahr" eingestuft wurde.

In diesem Zusammenhang war bereits für den Bereich der Baugrundaufschlussbohrungen eine sehr umfangreiche Kampfmittelsondierung notwendig. Im Zuge der Bauabwicklung werden im Baufeld weitere Untersuchungen zu Kampfmitteln erforderlich sein.

Zum jetzigen Planungsstand ist der Beginn der Bauausführung für das Jahr 2016 vorgesehen. Die Inbetriebnahme soll im Jahr 2020 erfolgen.

Südschleuse vom Unterwasser

Südschleuse vom Unterwasser